wir haben alles zugelassen
die Schatten neben uns
wandern von Norden
südwärts
Zeile für Zeile
über den Rand unserer Worte
die trocknen kaum und
bilden feuchtfarbene Schlieren
von denen man sagt die wären echt
Das Magazin für Eigenart
wir haben alles zugelassen
die Schatten neben uns
wandern von Norden
südwärts
Zeile für Zeile
über den Rand unserer Worte
die trocknen kaum und
bilden feuchtfarbene Schlieren
von denen man sagt die wären echt
rein Gold
raus /
eine Blaskappelle
die dir das
Spiel
von der
Dunkelheit
spielt
im schwarzen
Glanz
der aufgehenden Sonne
Im Gleichgewicht formst du aus Masse einen Fixpunkt bistabil zur
nächsten Bar. EIN KORN EIN BIER und einer Menge T R E SEN
LATEIN: dass der erste Schuss PUNKTGENAU ins Ziel getroffen
hätte, hätten wir nicht…
(Blankosonett)
der Tag schlägt Augenblicke aus dem Rahmen
die in das Meer der schwarzen Farbe fallen
gedankenleer wie eine leichte Brise
und manchmal mehr als wir zu wissen glauben
vergänglich weicht das Abendlicht der Erde
und löst sich auf in einem steten Wandel
aus Worten, die in Wiederworten enden
und einem Anfang gleich das Ende gönnen
im Mittelpunkt steht diese Weite – Leben
das aus dem Boden bricht, um zu erblühen
und sich im Inneren zu optimieren
du hast es angeregt mit dir zu sterben
jetzt wirkt das Chaos, liegt in deinen Händen
was übrig bleibt, darf sich für Tod erklären…
blechern klingt der Sommer
hinter dem Schuppen
Flecken und Stroh die
Flimmern verstaubt und
trockene Insektenhüllen
welche sich in Spinnweben
verfangen gleichen einem
Traumfänger der lichtschwer
in der Mittagshitze ruht und
nach einem Luftbild
Ausschau hält als könnten
Nägel in der Mittagshitze
das kühle Regenwasser
rufen so schrill klingen die
Eisenteile wenn diese
raschelnd
aneinanderschlagen und in
dem ausgedörrten See die
toten Fische tanzen
sehen
(Blankosonett)
THE SUN scheint heute wieder schwarzlackiert
auf beiger Fläche Standardsatz Druck quer
zu deinen Lippen, die laut Lackrot schreien
als hielten wir den Atem an, inzwischen
vielleicht auch den der Erde, ihrer Kinder
zu denen wir letztendlich auch gehören
im Stoffgemisch aus Zeit- und Raumgefüge
und Mineral aus Wortstaub in den Sätzen
laut ausgesprochen könnte man glatt denken
dass dieser Mundraub, der vor deiner Haustür
stattfindet, gar nicht da ist: SCHLIESS DIE AUGEN!
und höre auch nicht mehr die lauten Vögel
Steckbrief: effects of global warming
wenn dir der Puls am Reiz dazwischenfunkt…
Blankosonett
HELL YEAH, der Bildschirm flackert, leises Rauschen
umgibt den Abend still im Kerzenschein
hast du den Song WE FUCKING DIE gehört
jetzt schlagen Funken lauthals in den Raum
zwei Kanal Ton mit der Tendenz zum Töten
SHOT COUNTER SHOT komm, lass es richtig knallen
bis dieses Wirkungsfeld beginnt zu bluten:
wir sind jetzt mitten in der Szenerie
es gibt ein Wort Maschinenparadigma
dass selbst dein Hirn wie ein Computer tickt
wenn wir die Taste Rot am Joystick drücken
dann läuft im Video der ROBOTS DAY
aus Regeln programmierter Schaukulisse:
wenn du kein Herz hast, kannst du Töten gehen…
MAN SAGT, Bücherwürmer seien eine aussterbende Spezies
da es in naher Zukunft keine Bücher mehr gäbe & sich diese
Gattung also ihrem natürlichen Habitat entzogen in kürzester
Zeit laut evolutionärem Grundgedanken nicht neu orientieren
könnte & der Klimawechsel somit schwer beschädigt oder zumindest mit einer starken Aversion gegenüber unnatürlichen
Ausweichreservaten z.B. technologischen Gütern & somit
Gehalt also dem eigentlichen Inhalt nicht mehr folgen können,
Punkt.
Blankosonett
ist es normal, wenn du an Kanten stößt
die sich an Kanten stoßen, hinter denen
die Gleichung allenfalls Wert Null beträgt
um jede Abweichung von vornherein
den einen Längengrad fernab zu schieben
bestimmst du zunächst eine feste Zahl
und zollst dem Raum die Winkelperspektive
die dich viel weiter, tiefer fallen lässt
komm! hüpf mit mir in den Kaninchenbau
und folge A) the white light, rabbit
in seinen Unterschlupf, dem Spiegelsaal
wo wir uns in der Anderwelt befinden
da ist dein Stigma allenfalls normal
um bei der Norm des Gleichgewichts zu bleiben…
Bastian Kienitz, Jahrgang 1975. Dr. rerum naturalium. Seit 2012 freiberuflicher Fotograf, Filmer und Schreiber. 2006-2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Institut für Zoologie und Neurobiologie. Dissertation: Motorisches Lernen in Drosophila melanogaster. 2001-2006 Studium der Neurobiologie und Genetik an der Julius-Maximilian-Universität Würzburg. 1996-1997 Teilnehmer der CDG am Austauschprogramm für junge Berufstätige zwischen dem Deutschen Bundestag und dem Amerikanischen Kongress.
Neben seinem Interesse für die Lyrik beschäftigt er sich intensiv mit den Grundlagen des Lebens, der Biologie und versucht Teile dieses Wissens in seine Werke mit einfließen zu lassen. Gleiches gilt für die digitale Fotografie »Momentaufnahmen in Wort und Bildform« die er seit 2008 betreibt. Als Promotionsstudent der Neurobiologie zog er 2007 nach Mainz, wo er noch heute lebt und schreibt. Bastian Kienitz ist Mitglied beim Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. (BvjA) und hat Lyrik, Prosa und Fotografien in verschiedenen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht (u. a. in: Experimenta, Entwürfe, Kaskaden, Konzepte, Maulkorb und Versnetze). Zudem war Bastian Kienitz als Autor, Dichter und Fotograf in folgenden Ausstellungen, Preisverleihungen und Veranstaltungen präsent beziehungsweise erhielt dort Auszeichnungen und Anerkennungen: