deine Lippen
sprechen im
Stillen
reißen Fugen
auf &
Beben
die ich in
Nacht & Nebel
las
Das Magazin für Eigenart
deine Lippen
sprechen im
Stillen
reißen Fugen
auf &
Beben
die ich in
Nacht & Nebel
las
Matze Maier schrieb am Abend
Launig, mit geschnorrtem Stifte,
Ein paar Zeilen auf den Deckel
Seines Bieres.
Und am nächsten Morgen schellten
Vierzig feiste Großverleger,
Bis er endlich irgendeinem
Gähnend nachgab,
Der sein Werk in einer Woche
Dann millionenfach verkaufte
Und die Wälder niederwalzte
Fürs Papier.
Matze Maier zuckte zaghaft
Seine schönen, schmalen Schultern
Und zog zügig in ein Schlösschen
Fern in Frankreich,
Wo bald große Kipper knatternd
Geld aus Hollywood abluden
Und die Groupies grinsend aus den
Laken lugten.
Und kaum einen Monat später
Schrieb er wundersamerweise:
Werde nie im Leben Dichter!
Und zerbarst.
Der Einfall
ist plötzlich da
Worte und Silben
ich tauche hinein
Tanze
in Gedanken
Ich höre Musik
von Eric Satie
Bilder ziehen
an mir vorbei
Inspiration
die Muse flüstert leise
Und ich schreibe.
Das weiße Papier
Und keine Idee,
keine Muse
Vor mir
die kahle Wand
Nicht
ein Wort
oder eine Silbe
Das weiße Papier
bleibt weiß
Aber vielleicht
klappt es
später noch
Und ich
schreibe.
ein versehen
ideen ohne ende
rinnen durch meine hände,
während ich nach worten suche
und die eine verfluche,
die zuständig wäre,
für jene kunst, die hehre,
die neben ruhm und ehre
erstmal eines verspricht:
ein hübsches gedicht.
wobei, „hübsch“ ist ja bekanntlich der kleine bruder von „nett“
und das die kleine schwester von … „nicht gut“
und das ist mir also wirklich auch nicht genug.
eine symphonie will ich schreiben, eine große
am besten in c-dur!
ja, aber das da, was ich bis jetzt hab da
das ist ja noch nicht mal ein lied
noch nicht mal ein ton und explizit
noch keine stocker, und auch kein fritz
und schlimmer als ein schlechter schmäh.
und überhaupt: c-dur, das ist doch auch nur französisch und bedeutet so viel wie c’est dur.
psst … du da!
du willst etwas großes schreiben, nicht wahr?
etwas mächtiges
etwas gewaltig beträchtliches
etwas, das tränen treibt
wenn einverleibt
das zwerchfell bald zum bersten neigt,
das beeindruckt
bis das bein drückt
bis aufstehen beim applaus unvermeidbar bleibt.
warte nicht länger,
denn für einen banger
ist jetzt die beste zeit,
da jene nun zur hilfe eilt,
die zuständig wäre
für jene kunst, die hehre,
die neben ruhm und ehre
erstmal eines verspricht.
entschuldige die verspätung, so bin ich eigentlich nicht.
ja, nice! ja, endlich!
jetzt wird mir auch verständlich,
dass die dauerfermate
auf deren fine ich warte,
nicht mein stumpfsinn bestellte.
es war die muse, die mir fehlte.
ja, dann! mal her mit den metaphern,
den anaphern, den trochäen,
immer her mit den chiasmen, den ellipsen,
den prolepsen und sarkasmen,
immer her mit kreuzreim, paarreim, stabreim
und hie und da ein ströphchen prosa.
nach bestem wissen und gewissen sag‘ ich:
schluss mit den verrissen, sag‘ ich:
schluss mit dem verhau!
auf zur derben putzung
der ungeputzten sau!
hä? was? bitte wie?
ja, bist du denn nicht die muse der poesie und der epischen dichtung?
nein, und du offenbar auch nicht der meister der liedkunst?
wer? schubert?
nein, dein onkel hubert, ja sicher franz schubert. …
du weißt nicht zufällig, wo der wohnt?
du, ich glaub, der ist tot…
nau geh, das ist jetzt dämlich.
der schubert, der hätt nämlich
eine große schreiben sollen
und ich hätt ja bleiben wollen,
doch beim ludwig hats auch zwickt.
jetzt bin ich doch dort pickt.
hm,… was für ein mist
so ein guter komponist
und ich hab’s einfach verpennt!
wirklich schade ums talent.
well,… du wirst es nicht gern hören,
doch der franz ließ sich nicht stören.
der hat die große schon geschrieben
neben siebentausend liedern
fünfzig opern, hundert messen
für chöre und orchester
fantasien für vier hände
symphonien mit und ohne ende
und das noch vor einunddreißig.
ja, soll das etwa heißen
der hat mich gar nicht gebraucht??
die ganze zeit hab‘ ich geglaubt
ich wäre völlig unentbehrlich.
ohne mich, wären wir ehrlich,
laufe gar nichts, was sich kunst nennt.
wenn dein werk nur durch den dunst rennt,
führte ich dich richtung lichtung!
ach … vergiss es, nicht mehr wichtig….
upps… [verlegenes lyrisches ich, kleine überlegepause]
ähm, du? muse?
ich hätt da so einen text
und es ist fast wie verhext
der klemmt mir hint‘ und vorn
und nervt mich ganz enorm
wenn ich denk dran wird mir übel
ich will ihn eigentlich längst kübeln
und den hut draufhauen,
aber vielleicht magst doch du mir da noch mal drüberschauen?
lässig
spiegeln sich
trotz sternklarer Nacht
die Gletscher
auf den Betonsockeln
mit minimaler Leuchtdichte
knülle
sind die Lebern
wegen Pfortaderhochdrucks
in den Schlachthäusern
zur Unkenntlichkeit deformiert
konkret
sind in den Schulen
die Vorhänge
nach der Lidstraffung
als Wimpern getarnt
kokett
liegen die Apps
auf meinem Phone
unantastbar
in goldenen Vitrinen
verfettet
kämpfen Models
mit Schürzen
und Spiegeln
charmant
sind Worte wie diese
nicht
Im Keller der letzten Sommertage
warten vergorene Getränke
rauhe Winde quälen auf dem Acker
scheues Grün
lieblich und frisch
währt nur die Herrlichkeit der Fantasie
schwache Riesen fallen aufrecht
in Sickergruben
man hört es modern
und ist interessiert
im Jakobsmuschelmoor wabern
diesige Räume
ein Blutkuchen liegt unter hellen Birkenlaub
zerregnete Schmetterlinge
kommen aus der Traufe
in die Einsamkeit
ein leises Lachen
stört den Wald beim Wachsen
und blaue Luft
streicht dogmatisch
über einen starrköpfigen Zaun
im Keller der letzten Sommertage
freut sich der Herbst auf den ersten Schluck
O wie modern
gefragt und beliebt
Ob cool
elegant
oder lässig
Zauberhafte Träume
in edlen Stoffen verwebt
Mit Sehnsucht
getragen
sagt
die Mode.
Er ging
nicht mit
der Mode
Er trug
was ihm gefiel
Aber irgendwann
ging die Mode
nach ihm.
selam Dinçer, selam
komm und setze dich zu mir auf den Diwan
erzähl, du wolltest den Applaus, du hast den Applaus
in deinem rechten Auge ein kicherndes Pony
im linken eine verbrannte Brache
deine ergrauten Schläfen kreuzen sich nun
wie karge Pfade in deiner müden Sprache
die das Gedicht mit dem Milchmund eines Säuglings
aus der entzündeten Brustwarze saugt
schau, der lange Weg, den du wie einen Gürtel
dieser zahnenden Welt geschnallt hast
bleibt dem Traum immer zu eng. schau, was dir
Ewigkeit verspricht, ist nur so lang wie das Korn
und der Thron unter deinen Pfauenfedern
mit denen du das Maschinenfett
auf deiner Arbeitshose maskiert hat
wackelt bei jedem Blick in den Spiegel
wie der Reißzahn eines alten Wolfs
das Gedicht war dein Schleifstein, doch jedes Messer
stumpft im Ehrgeiz des Wortes ab
und jede Zeile kehrt nach der Jagd wund in seine Höhle zurück
Dinçer, schau, ein kleines Kind sitzt auf deinem Schoß
es springt hinunter, es will zum Nordstern
Kind, schreist du ihm hinterher
es läuft auf die Bühne, die dich
mit ihrem Licht vertröstet hat
es pflückt Mut aus deinen Blicken
die ihre Scherben verschweigen
du weißt, das Gedicht und der Spiegel wissen es auch
seine Reise wird die Fortsetzung deiner Geschichte sein