Eisenbart und Meisendraht ist das Literaturvermittlungsmagazin für geschundene Seelen. Jeden Monat wird ein neues Thema von unserem Schriftsteller*innenpool beackert und hernach in Radiowellen (Z) transformiert, in den Pod geschmissen und hier im Internet kybernetisch in den space gepresst.
Diese Seite ist gut, denn sie bietet eine einwandfreie Möglichkeit, in allen Beiträgen herumzustöbern, die im Rahmen von EB&MD veröffentlicht worden sind.
Aktuelle Themen
Neue Textbeiträge
David Telgin: Waldlunge
Für jeden Steinein Baum Bald wächstein Wald Für jede Lungeatmet der Wald.
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David Telgin: Kahlschläge
Zerstörte Landschaftübersät von Kahlschlägenund Kraternarben Hier wareinmal der Wald Baumstümpfe und Reste,totes Gestrüpp Traurigkeit,die in mir wächst Hier wareinmal ein Wald Die letzten Bäume In den Wipfelnblättert der Tod.
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David Telgin: Innenwald
Im Waldunter Bäumen,komme ichmir selbst entgegen Mein Rückenist grün bemoost Überwuchertvon Farngewächsen In den Wipfelnrascheln die Blätter Ich dufte nach Harzund Nadeln Wilde Himbeerenwachsen in mir Ein Spechtklopft an meinen Bauch Ich atme Wald.
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Carsten Stephan: Ich bin der Wald
Ich bin der Wald,Ich bin verkalkt. Ich hege den Fuchswurm,Ich hege den Zeck,Ich schütze den Räuber,Ich schütze die Hex. Ich werfe mit Ästen,Ich warte voll Arg,Ich blak in der Stube,Ich bau euch den Sarg. Ich spreche in Versen,Ich schweige nie still,Darum, ihr Menschen,Rodet mich schnell!
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Christian Knieps: Der weiße Hirsch
In einer Nacht ohne Mond, in der der Himmel wie ein verschlossenes Auge über den Hügeln lag und selbst die Sterne sich zurückgezogen zu haben schienen, stand der Junge am Rand des Waldes, noch zu jung, um seine Furcht zu benennen, aber bereits alt genug, um zu spüren, dass das Schweigen um ihn herum nicht leer war, sondern wartend, gespannt und mit einer Bedeutung aufgeladen, die sich ihm erst später vollständig erschließen würde.Der Wald, der ihm tagsüber vertraut gewesen war wie ein grob gewebter Mantel aus Moos, Rinde und Vogelrufen, hatte sich verwandelt in einen atmenden Körper, dessen Herzschlag er...
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Carsten Stephan: Gespräch im Herbstwald
„Sieh, mein Liebster, all die Bäume,Die im Sonnenlicht erstrahlen.Einzig um der Schönheit willenTaten sie sich bunt bemalen. Ach, die Welt ist voller Zauber!“ „Meine Kleine, hier weicht StickstoffNur zurück in Stamm und Äste.Und es bleiben Farbpigmente,Dass sich keine Laus dran mäste. Darin liegt ja gar kein Zauber.“ „Aber sieh doch, all die Blätter,Die im Winde niederschweben.Einzig um der Schönheit willenHaben sie sich hingegeben. Doch, die Welt ist voller Zauber!“ „Blätter fallen nur im Herbste,Weil der Boden bald gefroren.Sie verdunsten sehr viel Wasser,Und der Baum müsste verdorren. Darin liegt ja auch kein Zauber.“ „Aber hör doch, all die Vögel,Die ein letztes Mal noch singen.Einzig um...
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Andreas Prucker: Wald
April, April. Schon verstecke ich die Eier im Wald.Wer bin ich und Warum?Der Soldatenosterhase als neuer Kanzler und bewertungstechnisch bin ich nur noch im politischenWald für neue Armut, wie für Euch bestellt.Ja Bitteschön und Dankeschön.Seien Sie herzlichst dafür eingestellt, dass wir kein schwimmen in Bäder mehr ermöglichen,da wir es bevorzugen ein wildes Seebaden zu erlauben, was uns Wahlerfolge garantieren wird,da ja neuerdings Gehirn fressende Amöben als Klimawandel-Beigabe im Wasser,hier dies unerwartete Wahlhelfertum nutzvoll einsetzen werden.Sehen Sie mich als ein neuen politischen Systemsprenger an,der im psychopathischen Verhalten seine Grundkenntnisse erworben hat,um hier im Parteien-bürokratischen Wald Dinge so zu gestalten,dass wir alle...
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David Telgin: Unglück
Unfallverunfallt Der FallDie Akte Ungelöst Zu den Aktengelegt.
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David Telgin: Sturz
Der kleine Finger Ganz blau,verbogen Nach dem Sturzauf dem kalten Asphalt Für Sekundennicht mehr da Ein Rissin mir Dann benommenund taumelnd Das Gesichtschmerzverzerrt Der kleine Fingerganz blau.
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Christian Knieps: Der Letzte, der entkam
Es begann nicht mit einem Trick, auch nicht mit einer Kiste, und vor allem nicht mit einem Schloss, das nachgab – es begann mit einem Zittern, das keiner sah, mit einem Blick in den Spiegel, der nicht zurückschaute, und mit dem dumpfen Gefühl, dass das, was alle Welt bewunderte, vielleicht nur die Hülle war für etwas, das sich langsam zersetzte, Tag für Tag, in der Stille nach dem Applaus.Er war der Mann, der sich aus allem befreite – und keiner fragte, was ihn dazu brachte, sich überhaupt fesseln zu lassen. Harry Houdini, geboren als Erik Weisz, wanderte nicht nur aus...
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Bastian Kienitz: Schwere Steine
auf den schwerenFeldern der Stadtluftsinkst du hartwie ein Steinin den Bodenum zwischen demGehweg und Kantenzu winkeln || Licht
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Bastian Kienitz: Der alte Mann und das Meer
Er fuhr hinaus, seit Wochen ohne Glückund wie ein altes Lied bewegte sich das Meermal stumm, dann wieder stürmisch und zurückauf Festland bleibt sein Boot bescheiden, leer.Von nichts lebt es sich wahrlich nicht zu Mundund dieses Unglück kommt auch nicht von ungefährso sagt man sich und gibt so allem einen Grund.bis er den größten Fisch an seiner Angel hatund dieser Fisch ist Wurzelwerk, die See undbis zu seinem Ende - er und eines Endes statt…
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Andreas Prucker: Killerunterhosen
Im Wald vertsecke ich dann meine Eier, so das Sie niemand finden kann. Wer bin ich und Warum?Der letzte Satz mit der Killerunterhose sollte statt mit Unglücksverlauf, selbst verschuldetes Leben heißen,doch falsch in die Irre geführt passt besser zur Realität.Und keine Angst die Killerunterhosen kommen nicht nochmal vor.
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Alexander Rachmann: Seines Unglückes Schmied
Das Wiedersehen, das aufwühlt. Der erste Kuss, der enttäuscht. Der Heiratsantrag nach einem Streit. Die Versöhnung ohne Veränderung. Das Ankommen, ins unaufgeräumte Wohnzimmer. Der große Traum, den man hat. Die stille Natur, in der niemand ist. Die Karriere, die Freunde kostete. Der Ausbruch aus allen Zwängen, der im anderen Zwang endet.
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Andreas Dietz: Glück und Unglück im April
Der Goethe reimte einst im Märzbeim Weine abends diesen Scherz: "Den ersten April musst überstehn,Dann kann dir manches Guts geschehn." Das mag so sein, doch gilt es nicht,falls Unglück tritt ans Tageslicht. Und auch bei Gutem hüte dich!Das Schicksal wütet fürchterlich. Auf jedes Gute folgt das Bös'und umgekehrt. So generös das Schicksal einen Ausgleich will.Das gilt besonders im April.
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Janika Wehmann: Unglück
Warum heißt Unglück „kein Glück“, Unschlitt aber nicht „kein Schlitt“, sondern Talg/Tierfett? Könnte man das Bedeutungsprinzip nicht tauschen? Ich benenne dich, Unschlitt, um in „nicht vegan“ und dafür gibst du mir mein Glück zurück? Nein, ein unzumutbares Angebot? Na gut. Das Unglück kann man auch anders umschreiben: Strafe, Pech, Chaos. Das klingt leider immer noch leidvoll, negativ und unglücklich. Wie wäre es hiermit: das Unglück im Sinne von besonderen Umständen, Kraft der Natur, Leben im Moment. Dann ist ein Unglück, wenn es lebensweltbezogenen Unterricht auf der Straße gibt (weil das Klassenzimmer wegen eines Wasserschadens nicht betreten werden darf). Dann sind...
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David Telgin: Viel zu früh
Bauarbeitenauf der Straße Unbefestigte Stelle Dort fiel erin ein Loch Er wurde erstStunden später gefunden Und starbim Krankenhaus Der Dichterund sein plötzlicher Tod Er gingviel zu früh:"Ich höre Istanbul mit geschlossenen Augen..."(Orhan Veli Kanık)
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Silke Gruber: Lei Da
(Today’s Question: Was ist Dialektliteratur?) Die Angerer Theresaund die Pfurtscheller Mariaund die Oberamtsbacher Roswitha,de schreibn üba die schian Bliamalen vorn Hausund üban hartn Winta in die Berg undüban heilign Herrgott undüba ia oanzige Liab undTirol isch lei oans, so schreibn siein oana kindlichn Freid, dass da sHerz grad soaugian kannt. Die Angerer Mariaund die Pfurtscheller Theresaund die Oberamtsbacher Roswitha,de dadenkns ebn leida nit viel weiter außials wia beim Kuchlfenschta,wenns übahaup oans ham. Die Angerer Roswithain deim Kopfdie Pfurtscheller Mariain deim Kopfdie Oberamtsbacher Theresain deim Kopf: so schreibn sieso sein sieleida
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Silke Gruber: Isch Eh Lei
Isch eh lei Es meischteisch eh lei a Schmeeisch eh lei a Lug,sein jå eh ålls lei Schmeetantlaeh ålls lei Lugntschippl. Es oaneisch a Gschroaunds åndre a Gsums.Unds meischtesowieso a Glump,unds åndre a Graffl,isch eh lei a Graffl! Isch eh lei a Glump!Isch eh lei a Graffl und a seltenes Glump.Und isch eh −ålls lei a Schmee … Wås håschn då im Aug?Ah isch eh lei a Greggn.Wås håschn då am Schuach?Ah isch eh lei a Klachl.Wås schwimmpn då in da Suppn?Ah isch eh lei a Hoa.Wås håschn då im Kopf?Ah isch eh lei Stroa. isch eh lei a Grafflisch...
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Andreas Prucker: Dialekt
Dialekt ist eine Bewusstseinseinschränkende Sprache und fürht zu ausbleibenden Chancenverwertung und so zum nicht verwirklichen können vieler Möglichkeitsformen.
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